FZG DIREKTORIN
Penny Boyes Braem
Penny Boyes Braem erwarb 1964 einen Bachelor of Arts in Geschichte am Carleton College und schloss 1968 ihr Masterstudium an der Harvard University ab. Nachdem sie an der staatlichen Gehörlosenschule in New Mexico unterrichtet hatte, begann sie ein Promotionsstudium an der University of California in Berkeley mit Dan I. Slobin als Betreuer im Bereich Psycholinguistik und Ursula Bellugi (am Salk Institute for Biological Studies in San Diego) als Betreuerin auf dem damals noch neuen Gebiet der Forschung zur Gebärdensprache. Sie schloss ihre Doktorarbeit 1981 mit einer Dissertation ab, in der sie sich mit der Frage der Ikonizität befasste, indem sie visuelle Metaphern und Metonymien analysierte, die vielen der konventionalisierten Gebärden der amerikanischen Gebärdensprache zugrunde liegen (Boyes Braem 1981).
Seit 1974 lebt und arbeitet Boyes Braem dauerhaft in der Schweiz (Boyes Braem 2024). Von 1982-86 war sie Direktorin des ersten Schweizer Gebärdensprachdolmetscher-Ausbildungsprogramms landesweit (für französische Gebärdensprache in Lausanne/Genf). 1982 gründete sie das Forschungszentrum für Gebärdensprache (FZG) in Basel, in welchem sie in den folgenden Jahren Studien über verschiedene Aspekte der Deutschschweizer Gebärdensprache und Gestik von hörenden Personen, oft in Zusammenarbeit mit Kollegen und Institutionen aus der Schweiz, Italien, Deutschland und England, durchführte.
Von 2000 – 2007, war Boyes Braem Gründerin der GS-Media (Zürich), einer privaten Institution, die CD-ROMS und Bücher über die Deutschschweizer Gebärdensprache entwickelte (siehe Bibliografie). Von 1993 – 2010, war Boyes Braem Vorstandsmitglied des Vereins zur Unterstützung der Gebärdensprache, VUGS (Zürich).
Forschungsinteressen
Eine der Forschungsinteressen von Boyes Braem in der Schweiz galt dem Vergleich von Gebärdenformen von Früh- und Spätlernern der Deutschschweizer Gebärdensprache DSGS unter besonderer Beobachtung ihrer lautlosen Artikulation von deutschähnlichen Wörtern sowie rhythmischen Körperbewegungen als prosodische Merkmale. Ein weiterer Studienfokus war das Lexikon mit der Beschreibung konventioneller, umgangssprachlicher Gebärden sowie Äquivalenten für das Fachvokabular. Die Problematik des schriftlichen Festhaltens dieser visuell/körperlichen Sprache wurde mit Projekten erforscht, in denen sowohl spezielle Notationssysteme (SignWriting, HamNoSys) als auch Datenidentifikationsprogramme, wie die an der Universität Hamburg verwendete "iLex" Korpus Lexikon Software, verwendet wurden.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt lag darauf, Methoden und Modelle zu verwenden, die ursprünglich zur Analyse von Gebärdensprachen entwickelt wurden, um sie auf die Geste hörender Personen anzuwenden. Eine solche Studie untersuchte die Gesten, die Orchesterdirigenten mit ihrer nicht-dominanten Hand ausführen (Boyes Braem und Bräm, 2004). Ein weiteres Projekt, das gemeinsam mit Rachel Sutton Spence durchgeführt wurde, verglich die Ergebnisse und die Entstehungsprozesse von Gedichten in der Gebärdensprache von gehörlosen Dichtern mit pantomimischen Sketchen amerikanischer hörender Pantomimen (Sutton-Spence und Boyes Braem, 2013).
Publikationen
Boyes Braem veröffentlichte sowohl zahlreiche Artikel über Gebärdensprache und Gesten (siehe Bibliografie) als auch drei Bücher (Boyes Braem und Sutton-Spence 2000; Boyes Braem 1990/1995; Loncke, Boyes Braem, Lebrun 1984). Von 1983 – 2010 war sie Verfasserin (oder Mitverfasserin mit Benno Caramore) der Informations-Heft Serie, die vom Verein zur Unterstützung der Gebärdensprache (VUGS), Zürich, herausgegeben wurde.
Unterricht und Gastreferate
Boyes Braem unterrichtete Studenten in der Dolmetscher- und Gebärdensprachlehrerausbildung in der Schweiz in Gebärdensprach-Linguistik-Kursen und gab Kurse und Gastreferate über Gebärdensprach-Linguistik an verschiedenen Universitäten in der Schweiz und im Ausland.
Beratungs- und Informationstätigkeit bei Doktoratsdissertationen
Doktoratsdissertationen der Universitäten von Amsterdam, Dublin, Hamburg, Klagenfurt, Kopenhagen, Neuchâtel, Rom und Zürich.
KOMITEE MITGLIED
Programmkomittee, Sign Language Workshops an IREC Kongresse
Organisationskomitee, internationale Tagung "From Hand to Mouth: A dialogue between spoken and signed language research", ZüKL, Universität Zürich (5.- 7. September 2013).
Wissenschaftliches Komitee, DGS-Korpus Projekt, Universität Hamburg / Akademie der Wissenschaften in Hamburg (2010-2017).
Das FZG ist ‚assoziiertes Mitglied' des Zürich Kompetenzzentrum für Linguistik (ZüKL) der Universität Zürich.
MITARBEITENDE AN FZG-PROJEKTEN
Sarah Ebling (iLex-CH, DGS-DSGS lexikale Vergleiche, Fachlexika, semantische Analyse)
Dr. Sarah Ebling ist eine Linguistikerin mit Schwerpunkt Computerlinguistik. Ihre Doktoratsdissertation ‘Trainslate’ entwickelte eine automatische Übersetzung von deutschsprachigen Eisenbahnanzeigen in eine Avatarversion in DSGS für Smartphones. Ebling war eine der Hauptakteurinnen bei der Übertragung der existierenden DGSG FileMaker Datenbank in die gegenwärtige iLex-CH Form. Sie hat mit Boyes Braem bei verschiedenen Präsentationen und Artikeln zusammengearbeitet und vertritt ihren Schwerpunkt als Mitglied des Aufsichtskommittees von iLex-CH für entsprechende gegenwärtige und zukünftige iLex-CH Projekte. Ebling arbeitet u.a. an ihrem SNF (Schweizer Nationalfonds)-Projekt „SMILE“ sowie am aktuellen Projekt ‘Online-Handbuch der DSGS Grammatik’. Ebling ist derzeit Professorin am Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich.
Simone Girard-Groeber (iLex-CH, Gesprächsanalyse)
Dr. Simone Girard arbeitet in mehreren Projekten mit, an denen das FZG teil nahm. Als Spezialistin für Konversationsanalye befasste sie sich sowohl in ihrer Master- und Doktoratsdissertation wie auch in ihrem Projekt des Schweizerischen Nationalfonds auch mit den Aspekten von DSGS auf Diskursstufe. Girard ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Integration und Teilhabe der Fakultät für Sozialarbeit der FHNW.
Sandra Sidler-Miserez
Frau Sidler ist Muttersprachlerin der Deutschschweizerische Gebärdensprache (DSGS) und eine ausgebildete sowie erfahrene Lehrerin für DSGS. Als Forscherin arbeitete sie mit Boyes Braem an verschiedenen früheren Projekten, einschliesslich der DSGS-Lexikon-Forschungsdatenbank und an einer CD-ROM mit einem Lexikon für Kinder im Primarschulalter mit. In der Schweiz ist sie sehr bekannt, weil sie Videomodell für verschiedene Gebärdensprachprodukte war, nicht nur für jene, welche vom oder in Zusammenarbeit mit dem FZG produziert wurden, sondern auch auf dem aktuellen SGB-FSS online Lern-Lexikon der DSGS. Sidler hat für viele der DSGS-Gebärden im iLex-CH-Lexikon eine HNS-Notation bereitgestellt. Sidler ist ausserdem eine erfahrene Schreiberin von Gebärden mit dem Hamburg Notation System (HNS). Sidler hat zudem gemeinsam mit Katja Tissi an einer kürzlich erstellten eigenständigen Website für ein Handbuch zur DSGS-Grammatik mitgewirkt.
Katja Tissi
Als gebürtige Gebärdende der DSGS hat Katja Tissi über viele Jahre hinweg an verschiedenen FZG-bezogenen Projekten mitgewirkt und sich dabei mit einer Vielzahl von Forschungsfragen befasst. Zudem ist sie eine erfahrene Lehrkraft im DSGS-Dolmetscherausbildungsprogramm an der HfH. Tissi ist Gründerin und Leiterin der unabhängigen Website für ein Handbuch zur Grammatik der DSGS.
SCHWEIZERISCHE UND INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
Richard Bowden (University of Surrey): SMILE Projekt.
Mathew Magimai Doss & Oya Aran (Idiap Research Institute, Martigny, Switzerland): SMILE Projekt.
Thomas Hanke, Reiner Konrad, Gabriele Langer, Dolly Blanck, (Universität Hamburg, Institut Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation der Gehörlosen): iLex, Corpus Linguistics, HamNoSys.
Tobias Haug (HfH, schweizersiche und europäsiche Projekte)
Dr.Tobias Haug (Fachhochschule für Heilpädagogik Zürich, HfH) ist Spezialist für Forschung an Gebärdensprach Dolmeschen und Gebärdensprachtests. SignMet Projekt, Sign Repetition Task Project, SMILE Project, iLex Corpus-DSGS.
Rachel Sutton-Spence (Federal University of Santa Catarina, Brazil) Projekt: Gehörlose Poeten und hörende Pantomimen.
Virginia Volterra (Consiglio Nazionale dell Richerce, CNR, Rome)
Artikel und Forschung über Gebärdensprache und die Entwicklung innerhalb der Gebärdensprachgemeinschaft, Gebärdensprache und Gesten.
